Sie sind also bereit, in die faszinierende Welt der Ölmalerei einzutauchen? Wunderbar! Ob Sie sich von den kräftigen Farben, den weichen Texturen oder der schieren Geschichte dieses traditionellen Mediums angezogen fühlen – die Ölmalerei bietet endlose Möglichkeiten für künstlerischen Ausdruck. Wie bei jeder neuen Fähigkeit ist es jedoch entscheidend, mit den grundlegenden Ölmaltechniken zu beginnen.
Dieser Leitfaden vermittelt Ihnen 5 wichtige Tipps zur Ölmalerei, die speziell für Anfänger konzipiert wurden, und hilft Ihnen, die ersten Phasen des Malprozesses mit Zuversicht und Leichtigkeit zu meistern.

1. Besorgen Sie sich das wichtigste Zubehör für die Ölmalerei
Bevor Sie überhaupt einen Pinsel in die Hand nehmen, stellen Sie sicher, dass Sie die richtigen Malutensilien und eine gute Farbqualität haben. Beginnen Sie mit sehr magerer Farbe (Farbe plus Lösungsmittel). Auch wenn die Ölmalerei keine überwältigende Ausrüstung erfordert, sind einige wenige Dinge unverzichtbar:
- Farben: Beginnen Sie mit einer begrenzten Palette an Ölfarben. Ein Basissatz mit den Grundfarben (Rot, Gelb, Blau) plus Weiß ermöglicht es Ihnen, eine Vielzahl von Farbtönen zu mischen. Ziehen Sie Künstlerfarben wegen ihrer leuchtenden Pigmente und geschmeidigen Konsistenz in Betracht. Mit einer begrenzten Palette eine breite Farbvielfalt zu mischen, ist das Geheimnis harmonisch abgestimmter Gemälde. Die Künstlerfarben sind teurer und ergeben schönere Mischtöne, da sie hochwertigere Pigmente enthalten. Sie können Schülergualität und Profiqualität mischen. Mit zunehmender Erfahrung können Sie so nach und nach einzelne Farben durch Künstlerqualität ersetzen. Für Öl- und Acrylmaler ist keine Profi-Leinwand erforderlich.
- Pinsel: Investieren Sie in verschiedene Pinsel mit unterschiedlichen Formen und Größen. Manche Künstler bevorzugen weichere Pinsel für feine Details oder Lasurtechnik; hierfür empfehle ich einen schwarzen Borstenpinsel aus Schweineborsten, der weicher als normale Borsten ist, oder einen Synthetikpinsel, der für Acrylmaler gedacht ist.
- Flachpinsel: Ideal zum Bedecken großer Flächen, Auftragen von Grundierungen und für gleichmäßige Striche.
- Rundpinsel: Perfekt für Detailarbeit, feine Linien und zarte Formen.
- Katzenzungenpinsel (Filbert): Vereinen die Eigenschaften von Flach- und Rundpinsel und sind daher sowohl für breite Striche als auch präzise Details vielseitig einsetzbar.
- Leinwand: Wählen Sie eine grundierte Malkartonplatte oder eine auf einen Keilrahmen gespannte Leinwand. Experimentieren Sie mit verschiedenen Leinwandstrukturen – glatt, mittel oder grob – um herauszufinden, was Ihnen zusagt. Die meisten fertig grundierten Leinwände sind als „Dreifach mit drei Schichten Gesso grundiert“ gekennzeichnet, was bedeutet, dass sie mit einem universellen Acrylgrund für Öl- oder Acrylfarbe vorbereitet wurden. Das direkte Malen auf eine weiße Leinwand kann Ihr Gespür für Tonwerte verfälschen. Angesichts einer strahlend weißen Leinwand – besonders bei figurativer Malerei nach der Natur – ist es schwierig, Tonwerte und Farben richtig einzuschätzen. Bei der Ölmalerei gibt es viele Malgründe: Leinen- oder Baumwollleinwand, Holz, Kunststoff oder Aluminiumplatten, um nur einige zu nennen. Viele Profis bevorzugen Leinen, doch auch Baumwollleinwand lässt sich wunderbar bemalen. Leinenleinwände haben eine feinere Webart und sind besonders elastisch und reißfest, weshalb sie bei Profis beliebt sind. Manche Ölmaler schwören auf einen Ölgrund statt Acrylgrund und kaufen dafür spezielle, ölgrundierte Leinenleinwände, die allerdings ihren Preis haben.
- Malmittel: Experimentieren Sie mit verschiedenen Malmitteln wie Leinöl (langsam trocknend), Mohnöl (schnell trocknend) und Terpentin (Verdünner). Malmittel beeinflussen Konsistenz, Trocknungszeit und Glanz Ihrer Farben. Durch Zugabe eines Ölmalmittels wird die Farbe „fetter“.
- Palette: Eine stabile Farbpalette ist zum Mischen unerlässlich. Denken Sie an eine Holzpalette mit Vertiefungen oder eine Einweg-Papierpalette.
- Palettmesser: Praktisch zum Mischen von Farben, Auftragen dicker Schichten (Impasto) und Abkratzen überschüssiger Farbe. Ohne sie wird es nicht nur teuer und die Trocknungszeit extrem lang, sondern weil die äußere Haut einer dicken Farbmasse schneller trocknet als das Innere, kann die Oberfläche am Ende runzelig werden.
- Lösungsmittel: Verwenden Sie Terpentin oder Mineralöl als Pinselreiniger.
- Lappen: Halten Sie reichlich Lappen bereit, um Pinsel abzuwischen und Flecken zu beseitigen.
- Staffelei: Eine Staffelei stützt Ihre Leinwand und ermöglicht bequemes Arbeiten im Stehen oder Sitzen.
2. Farben für die Ölmalerei mischen lernen

Farbmischen ist eine Grundfertigkeit in der Ölmalerei. Beginnen Sie damit zu verstehen, wie Sie Sekundärfarben aus zwei Primärfarben mischen. Rot und Gelb ergeben zum Beispiel Orange, Blau und Gelb ergeben Grün, und Blau und Rot ergeben Violett.
Experimentieren Sie mit unterschiedlichen Farbmengen, um verschiedene Schattierungen und Tönungen für Farbe im Überfluss zu erhalten. Haben Sie keine Angst vor Fehlern – Farbmischen ist ein fortlaufender Lernprozess.
- Beginnen Sie mit einfachen Farbkombinationen: Mischen Sie zunächst jeweils zwei Farben, um deren Zusammenspiel zu verstehen.
- Erstellen Sie einen Farbkreis: Dieses visuelle Hilfsmittel hilft Ihnen, Farbbeziehungen zu erkennen und Ihre Farbpaletten zu planen.
- Nutzen Sie eine begrenzte Palette: Wenige Farben am Anfang fördern das Experimentieren mit Mischungen und vertiefen Ihr Verständnis für Farbharmonie.
3. Beginnen Sie mit einfachen Motiven für die Ölmalerei
Wenn Sie mit Öl zu malen lernen, beginnen Sie am besten mit einfachen Motiven. Hier sind einige Ideen für den Einstieg:
- Stillleben: Arrangieren Sie ein paar Früchte, Gemüse oder Alltagsgegenstände und versuchen Sie, deren Form und Farbe einzufangen. Beginnen Sie mit einfachen Arrangements und steigern Sie die Komplexität allmählich.
- Geometrische Formen: Üben Sie mit grundlegenden Formen wie Quadraten, Kreisen und Dreiecken, um die Hand-Auge-Koordination und Kontrolle zu verbessern. Experimentieren Sie mit verschiedenen Pinselstrichen und Techniken.
- Landschaften: Beginnen Sie mit einfachen Landschaften wie einer Wiese oder einer entfernten Bergkette. Konzentrieren Sie sich auf Stimmung und Atmosphäre. Schatten sind nicht bloß eine Abwesenheit von Licht; sie spielen eine entscheidende Rolle bei der Definition von Form und Struktur der Landschaft.
- Porträts: Starten Sie mit vereinfachten Porträts und konzentrieren Sie sich darauf, das Wesentliche der Gesichtszüge einzufangen.
4. Setzen Sie auf Untermalung in der Ölmalerei
Die Untermalung ist eine Basisschicht, die vor den Details auf die Leinwand aufgetragen wird. Üblicherweise wird eine dünne Lasur aus einer neutralen Farbe wie Umbra gebrannt oder Siena natur verwendet. Die getönte Untermalung wärmt das Gemälde auf, da sie durch die erste Farbebene oder mehrere Schichten hindurchscheint.
Die Untermalung erfüllt mehrere Zwecke:
- Eine tonale Basis schaffen: Sie legt die grundlegende Wertestruktur Ihres fertigen Gemäldes fest. Mit einer dünnen Lasur in Neutralfarbe erkennen Sie schnell die hellen und dunklen Bereiche Ihrer Komposition.
- Farbintensität verbessern: Farben auf getöntem Untergrund wirken oft kräftiger und gesättigter.
- Zu schnelles Trocknen verhindern: Die Untermalung bietet eine leicht feuchte Oberfläche für nachfolgende Schichten, was weicheres Verblenden und längere Bearbeitungszeit ermöglicht. Jede weitere Schicht sollte „fetter“ sein als die vorherige (mehr Öl, weniger Lösungsmittel). Die Untermalung ist eine grundlegende Technik, bei der eine erste Farbschicht aufgetragen wird, bevor weitere Schichten folgen. Wenn eine Farbschicht schneller trocknet als die darüberliegende, kann die obere Schicht reißen. Falls Künstler-Terpentin Kopfschmerzen verursacht oder Sie Bedenken wegen Toxizität haben, gibt es geruchsarme Produkte wie Winsor & Newton „Sansador“ oder Gamblins „Gamsol“, die zwar weiterhin erdölbasiert sind, aber ohne aromatische Verbindungen auskommen und langsamer verdunsten. Ein beliebtes Produkt von Winsor & Newton namens „Liquin“ ist eine alkydbasierte Lösung, die Ölfarbe verdünnt, die Trocknungszeit verkürzt und die Viskosität erhöht.
- Eine vereinheitlichte Basis schaffen: Sie führt die Komposition zusammen und verhindert, dass Bereiche „fleckig“ wirken.
5. Üben Sie Geduld und Ausdauer in der Ölmalerei

Die Ölmalerei ist ein lohnendes, aber forderndes Medium. Sie erfordert Geduld und Ausdauer. Lassen Sie sich nicht entmutigen, wenn Ihre ersten Versuche nicht genau so gelingen, wie Sie es sich vorgestellt haben.
- Konzentrieren Sie sich auf den Prozess: Genießen Sie den Weg des Lernens und Experimentierens. Jedes Gemälde ist eine Gelegenheit zu lernen und zu wachsen.
- Haben Sie keine Angst vor Fehlern: Fehler sind im Lernprozess unvermeidlich. Betrachten Sie sie als Chance, zu lernen und neue Fähigkeiten zu entwickeln.
- Machen Sie Pausen: Treten Sie von Ihrem schönen Gemälde zurück und betrachten Sie es mit frischen Augen. Manchmal hilft eine Pause, das eigene Werk aus neuer Perspektive zu sehen.
- Suchen Sie sich Inspiration: Betrachten Sie Werke anderer Ölmaler und lassen Sie sich von deren Techniken und Ansätzen inspirieren. Studieren Sie die Meister und zeitgenössische Künstler, deren Arbeit Sie anspricht.
- Treten Sie einer Kunstgemeinschaft bei: Vernetzen Sie sich mit anderen Künstlern in Online-Foren, Workshops oder lokalen Kunstgruppen. Das Teilen Ihrer Gemälde und das Erhalten von Feedback kann unglaublich wertvoll sein.
6. Verdünnen Sie Ihre Farben für gleichmäßigen Auftrag
Beginnen Sie mit dünnen Farbschichten und bauen Sie allmählich dickere Schichten auf. Das ermöglicht weiche Übergänge und verhindert Risse in der Farbe. Verwenden Sie ein Mittel wie Leinöl, um Ihre Farben auf die gewünschte Konsistenz zu verdünnen.
7. Reinigen Sie Ihre Pinsel richtig für die Ölmalerei
Reinigen Sie Ihre Pinsel nach jedem Gebrauch gründlich mit Lösungsmittel, um Farbansammlungen zu vermeiden.
- Verwenden Sie eine Pinselseife oder ein Lösungsmittel, das speziell für Ölfarben geeignet ist.
- Arbeiten Sie das Lösungsmittel vorsichtig durch die Borsten, um alle Farbreste zu entfernen.
- Spülen Sie die Pinsel gründlich mit warmem Wasser und lassen Sie sie vollständig trocknen.
- Formen Sie die Borsten während des Trocknens in ihre ursprüngliche Form zurück.
8. Lagern Sie Ihre Ölfarben richtig
Halten Sie Ihre Farben fest verschlossen, damit sie nicht austrocknen.
- Lagern Sie die Farben an einem kühlen, trockenen Ort ohne direkte Sonneneinstrahlung.
- Wenn Sie Farbe seltener nutzen, wickeln Sie sie in Frischhaltefolie, um den Luftkontakt zu minimieren.
- Reinigen Sie die Ränder der Farbtuben, damit keine Farbe an der Öffnung aushärtet.
9. Entdecken Sie verschiedene Ölmaltechniken
Probieren Sie Techniken wie Lasieren, Lasuren oder Impasto, um Ihren Gemälden Tiefe und Textur zu verleihen. Das Auftragen dickerer Impastoschichten über dünneren Schichten erzeugt eine stabile Struktur.
- Lasieren: Dünne, transparente Farbschichten über einer trockenen Untermalung erzeugen subtile Farb- und Tonverschiebungen.
- Sgraffito/Scumbling: Dünne, gebrochene Farbschichten über eine trockene Oberfläche legen, um einen texturierten Effekt zu erzielen.
- Impasto: Bei der Impastomalerei werden dicke Farbschichten mit einem Palettmesser aufgetragen, um einen texturierten, skulpturalen Effekt zu erzielen. Mit Ölfarben ist das glücklicherweise viel einfacher: Sie können die Farbe einfach mit einem Palettmesser abkratzen (oder, wenn die Farbschicht dünn ist, mit einem Lappen abwischen) und neu darüber malen.
10. Denken Sie über Ölmalerei-Kurse für Anfänger nach
Ein Ölmalerei-Kurs für Anfänger kann wertvolle Anleitung durch einen erfahrenen Dozenten bieten.
- Sie lernen aus Demonstrationen, erhalten persönliches Feedback und profitieren vom Zusammenhalt unter Mitlernenden.
- Viele Volkshochschulen, Kunstschulen und Online-Plattformen bieten anfängertaugliche Ölmalerei-Kurse an.
Fazit
Wenn Sie diese wichtigen Tipps zur Ölmalerei befolgen, sind Sie auf dem besten Weg, dieses wunderschöne und lohnende Medium zu meistern. Haben Sie Spaß, experimentieren Sie und scheuen Sie sich nicht, Ihren eigenen Stil zu entdecken. Wenn Sie die Gelegenheit haben, Gemälde von Claude Monet aus der Nähe zu betrachten, werden Sie bemerken, dass er lockere, gebrochene Farbaufträge über kontrollierteren, bereits getrockneten Farbschichten verwendet.